GESCHICHTE

 

Die Reittradition in den Anden Ecuadors reicht mehrere Jahrhunderte zurück, in die Zeit, in der die Bewohner der Dörfer Städte und Hazienden sich noch auf dem Rücken von Pferdenoder in Kutschen über die schmalen, die Andenregion durchziehenden Wege, fortbewegten.Heute dienen Ausritte hauptsächlich touristischen Zwecken oder sind Teil von Festlichkeiten. Sie erlauben,sich an den schönen Andenlandschaften mit schneebedeckten Vulkanen, Wäldern und dem andinen Hochmoor zu erfreuen.Ecuador ist deswegendas ideale Zielgebiet für aufregende Reitausflüge.

 

TOUREN

 

Es gibt mehrere Touren und Strecken für Ausflüge zu Pferd.Die meisten werden im Kanton Mejía, im Süden der Provinz Pichincha, angeboten.Andere gibt es in der Nähe des Nationalpark Cotopaxi in der gleichnamigen Provinz.Auch im zentralen Teil der Anden, in den Provinzen Tungurahua und Chimborazo und weiter im Süden in Azuay und in Loja stehen Reittouren zur Verfügung.

 

Unter den in Mejía angebotenen Reittouren befindet sich der Ritt zum Nebelwald-Schutzgebiet Bombolí, das sich auf dem gleichnamigen Berg befindet.Die Reitstrecke führt von Alóag bis zum Vulkan Corazón und danach geht es weiter bis zum Nebelwald auf eine Höhe von 3 000 Metern über dem Meeresspiegel.Hier findet sich ein tropisches Mikroklima und man kann Vögel beobachten, endemische Kleinsäugetiere und Epiphyten wie Orchideen und Bromelien.

 

Die Rückkehr nach Machachi ist am folgenden Tag.Zu der Eintagestour gehören ein Imbiss und der Eintritt in das Naturreservat, zu der Zweitagestour die Rückkehr zu Pferd, zwei Imbisse, Tee, Abendessen, Unterkunft und Frühstück.Nicht inbegriffen sind Hin- und Rückfahrten nach und von Machachi und Bombolí sowie Getränke.

 

Eine andere Tour in derselben Region führtin das Naturschutzgebiet Los Illinizas, bis zuder dort befindlichen Berghütte auf 4 750 m ü. NN.Die Anfahrt zum Startpunkt ist über die Panamericana Süd bis zur Höhe der Brücke von Jambelí, wo man die Abzweigung nach Westen nimmt und durch das Dorf ElChaupi kommt.Von hier ausgelangt man zum auf 3 900 m ü. NN gelegenen Parkplatz „La Virgen“;dort stehen die Pferde für den Ausflug bereit.

 

Der erste Teil der Reitstrecke führt durch einen Wald mit Polylepis, (auch Papierbäume genannt) und geht danach in einen steinigen und sandigen Abschnitt über.Auf der Strecke zur Berghütte, die sich zwischen dem nördlichen und dem südlichen Illiniza befindet, ist die einheimische Flora und Fauna der Anden zu sehen.In der Berghütte gibt es ein Mittagessen und anschließend wird der Rückweg zum Parkplatz angetreten.Der Schwierigkeitsgrad ist niedrig.Weitere Auskünfte über diesen Reitausflug, erhalten SiebeiAndes Climbing.

 

Eine andere Tour, der Reitausflug zum Vulkan Corazóndauert fünf Stunden und hat einen niedrigen Schwierigkeitsgrad.Die Route beginnt in Sierra Loma und führt zum Berg Corazón (4 788 m ü. NN), vorbei an land- und viehwirtschaftlichen Hazienden.Man hat hier einen guten Ausblick auf die Gegend und esist fast die ganze Nordregion der Anden sichtbar.Der Rückwegführt über schmale Pfadenach Sierra Loma zurück.

 

Eine ganz besonders interessante Reittour ist der Wanderrittzum Vulkan Rumiñahui, derzwei Tage mit einer Übernachtung dauert.Der Schwierigkeitsgrad liegt zwischen mittel und hoch.Der Ausgangspunkt ist Sierra Loma und der Ritt geht über Landwege, die sich zwischen den am Fuß des Berges liegenden Hazienden hindurchziehen, bis zum Vulkan Rumiñahui (4 712 m ü. NN).Danach geht es aufwärts zum Hochmoor und nach der Durchquerung sandiger Gelände führt die Strecke hinab zum See Limpiopungo im Nationalpark Cotopaxi.Die Nacht wird in einem Landhotel verbracht und am nächsten Tag findet die Rückkehr durch das Gebiet von Machachi statt.

 

Die Hazienda La Alegría bietet einen Wanderrittvon der in Alóag, Provinz Pichincha, gelegenen Hazienda bis nach Baños in der Provinz Tungurahua. Die Strecke führt durch den sagenumwobenen Naturschutzgebiet Llanganates, von dem man versichert, dass in ihm der Schatz des Inka Atahualpa verborgen sei.

 

Der Ritt beginnt auf der Hazienda und führt in der Gegend von Chalupas am Nationalpark Cotopaxi vorbei bis zu hin zum Nationalpark Llanganates. Dieses nur wenig besuchte Gebietfasziniert durch seine spektakulären Berglandschaften.Der Wanderritt führt fünf Tage lang durch die Hochanden, durch unbewohnte Berg- und Vulkanlandschaften.

 

Man kommt an zahlreichen Seen und Flüssen vorbei, die sowohl die Bauern in den interandinen Tälern als auch die Dörfer und großen Städte der ecuadorianischen Anden mit Wasser versorgen.Das Gelände ist sehr zerklüftet und vor allem in der Gegend des Nationalparks Llanganates gibt es hohe Berge und tiefe Täler.Die Nächte werden in idyllischen Hazienden verbracht,unter ihnen Huagrahuasi Leito und Manteles in der Provinz Tungurahua.Nach der Ankunft in Baños de Agua Santa, einem für seine Wasserfälle, Thermalbäder, seine Küche und Vergnügungsangebote bekannten Ort, können die Reiter sich von dem langen Ritt ausruhen.

 

Wegen des schwierigen Geländes ist diese Tour nur für erfahrene Reiter geeignet.Die Reiter müssen ohne Hilfe auf- und absitzen können.Es ist eine gute Kondition und Anpassung an die Höhenlage erforderlich.Mindestens zwei Tage Akklimatisierungwerdenempfohlen, um für den Ritt fit zu sein.Die Tour beinhaltet 7 Tage Ritt und 7 Übernachtungen sowie alle Mahlzeiten und den Rücktransport von Baños zur Hazienda La Alegría.

 

RITT DURCH DIE „STRASSE DER VULKANE”

 

CNNTravelhat den von der Hazienda La Alegría angebotenenRittdurch die Straße der Vulkane, als einen der besten 15 Wanderritte weltweit bewertet. Auf dieser Website werden die andinen Hazienden mit ihrem ausgezeichneten Service, die Landschaft der Anden und die Begleitung durch Chagras, die Viehhirten der ecuadorianischen Anden, besonders hervorgehoben.Die Chagras kennen die besten Wege, die Geheimnisse und Legenden des ecuadorianischen Hochmoors.Die Website CNN Travel erwähnt auch ausdrücklich die landschaftliche Schönheit der elf in dem interandinen Graben der nördlich-zentralen AndenhochlandEcuadors vorhandenen Vulkane.„Man kann das tägliche Leben der Chagras kennenlernen, deren Lebensunterhalt von den Bergpferden abhängt, aufdenen siedurch Felder, Hochmoore und Nebelwälder reiten”, wird auf der Website gesagt.

 

CHAGRAS

 

„Der Ursprung des Begriffs chagra ist in dem aus der Quichua-Sprache stammenden Wort ‚chacra‘ zu sehen, der Bezeichnung für eine Ackerlandparzelle, vor allem einer,auf der Mais kultiviert wird.Die Figur des Chagra entstand nach der Ankunft der Spanier in Amerika, als diese vertrauenswürdige und landeskundige Personen (meistens Mestizen) brauchten, um die von ihnen angeeigneten riesigen Landflächen zu beaufsichtigen", wird auf der Website Surtrek.com gesagt.

 

Fabián Corral Burbano de Lara ist Rechtswissenschaftler und Universitätsdozent und hat sich ausführlich mit dem Thema des Chagra der ecuadorianischen Anden befasst.In einem Artikel der Tageszeitung El Comercio vom 23. Juli 2012 beschreibt er das Wesen des Chagra:

 

„Nach altem Gebrauch gekleidet, selbstbewusst dendichtgewebten Poncho tragend, vermummt mit einem Schal und mit Sternsporen an den Stiefeln, ritt der Chagra in kolonialen Zeiten, wie auch heute noch, über die ländlichen Wege.Der Chagra wusste alles über die Brache, die Saat und die Ernte.Ob er die Ochsen in das Joch spannte oder wilde Maultiere zähmte, er war in allem geschickt. In den leeren Nachmittagsstunden des Winters setzte er Ackergeräte instand und zwirbelte er Schnüre.Bei Tagesanbruch melkte er die muhenden Kühe, die er liebte und die den eisigen Morgenstunden Sinn und Wärme gaben.Er kannte genau die Krümmungen aller Wege. Jede Agave war ihm vertraut und alle Wege, die ihn gefahrlos vom Hochmoor zu den Dörfern führten. Er wusste von Horizonten und Schluchten, von Schneestürmen und Sümpfen, er liebte und er liebt, vielleicht ohne es selbst zu wissen, das unendliche Land des Bauern”, lesen wir in dem von Corral verfassten Artikels.

 

Er fügt hinzu „dem Pferd gehörte und gehört seine Liebe, und die Ackergeräte sind sein Stolz. Er wusste von der Herrlichkeit, ganze Tage im Sattel zu verbringen.Er war Meister der Kunst, den Weg ohne Zeitdruck zurückzulegen und die Landschaft als sein Zuhause zu begreifen.Allein das Klappern der Hufe kündigte ihm an, ob sich ein bescheidenes Maultier näherte oder ein anmaßendes Rassepferd.Er bewunderte gleichermaßen den leichten Gang der Tölter und die Energie und die Fügsamkeit der Arbeitspferde."

 

Corral sagt auch, „in Machachi (im Süden Pichinchas), der Hazienda Yanahurco (im Nationalpark Cotopaxi) und in anderen Regionen des Hochlandes leben die Chagras und ihre Nachkommen fort. Bei jedem Volksfest zur Ehrung des Schutzheiligen, wie dem in Machachi oder in Sibambe (Chimborazo), sind die Chagras dabei. Das Hufgeklapper ihrer Pferde füllt die Plätze und Straßen, sie provozieren den Stier mit ihren ausgebreiteten Ponchos, wetten bei den Hahnenkämpfen, reiten bei den Rodeos und kehren danach in die Dörfer zurück.Hier blüht durch dasPrestige der Reiter der verborgene Stolz dieser starken, bejahenden und ehrlichen Menschen, die der Unterbau einer Kultur sind, die trotz aller Vorurteile noch immer weiterlebt.Der Chagra ist der Inbegriff des Mestizen.Wie der Montubio, ist er der Ausdruck einer Identität", schreibt abschließend Corral, der mehrere Bücher zu dem faszinierenden Thema des Chagra der ecuadorianischen Anden verfasst hat.

 

"PASEO DEL CHAGRA"

 

Dies ist die wichtigste Reitveranstaltung im andinen Hochland.Sie wird in Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich der Kantonalisierung in den Straßen Machachis, im Kanton Mejía, Provinz Pichincha veranstaltet.Mit der Identität und Kultur Machachis engstens verbunden ist die Figur des Chagra.Drei Umstände sind Ursache derjährlichen Prozession der Chagras: der Ausbruch des Cotopaxi im Jahre 1877, die Ehrung des Apostels Jakobus, des Schutzheiligen von Machachi, und die Kantonalisierung von Mejía. 1983 wurde dieses Volksfest im offiziellen Kalender der Festlichkeiten Ecuadors aufgenommen, wird auf der WebsiteForos Ecuador berichtet.In diesem Jahr fand die Prozession der Chagras am vergangenen 18 Juli statt.

 

FUCHSJAGD

 

Am Samstag dem 3. Oktober 2015 findet zur Feier des 409. Gründungstages Ibarras, der Hauptstadt der Provinz Imbabura, zum 43. Maldie Fuchsjagd, la „Cacería del Zorro”, statt.An diesem Wettrennen nehmen Haziendabesitzer, Militärangehörige und Polizisten außer Dienst, professionelle und nicht professionelle Reiter teil.Dabei werden,außer Baumstämmen und Gräben, beeindruckende Hindernisse überwunden, die „peñaroles”.Das Ziel der Jagd ist es, den „Fuchs” zu erreichen und ihm den Fuchsschwanz zu entreißen.Die Füchse sind schwarzgekleidete Personen mit Augenmaske, Hut und Umhang und es gibt einen in jeder der Wettbewerbskategorien.

 

Es nehmen Pferde aller Arten teil, ecuadorianische Bergpferde neben reinrassigen Zuchtpferden wie Araber, Englisches Vollblut, Anglo-Araber und Spaniern.DasRennen findet auf der Strecke am See Yahuarcocha statt, nördlich von Ibarra, der„weißen Stadt”.

 

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