RAFTING IN NAPO: ADRENALIN, AUFREGUNG UND ABENTEUER


Ein von den Anden eiskalt herabströmender Fluss, Grüntöne und in Nebel eingehüllte Berge im oberen Teil, hohe Bäume an den Ufern, Säugetiere, Vögel und Insekten, die die Luft mit ihren charakteristischen Geräuschen erfüllen, ein Nieselregen, der auf den Amazonasurwald fällt. Dieses Zusammenspiel sinnlicher Erfahrungen ist Teil des Abenteuers, das jetzt in Napo beginnen soll, der Provinz im Amazonasgebiet des „Landes der vier Welten”, Ecuador.


Bei der Abfahrt von Tena in Richtung des Flusses Jatunyacu – was in der Quichua-Sprache „großes Wasser” bedeutet – war das Team der Zeitschrift Trade Ecuador im Hinblick aus diese erste Rafting-Erfahrung der Teilnehmer von Erwartung und Unsicherheit erfüllt. Der Fluss gehört zu der Kategorie 3. Am Anlegeplatz angekommen, steigen Adrenalin und Emotionen, als uns klar wird, dass wir im Begriff sind, eine der aufregendsten Sportarten zu praktizieren, die es gibt: das Rafting.



Der Fluss Jatunyacu ist ein aus dem Zusammenfluss von Mulatos und Verdeyacu entstandener Nebenfluss des Napo. Die Quellgebiete der beiden Flüsse liegen in der Region des Vulkans Cotopaxi und der Region des Nationalparks Llanganates. Dem Fluss werden von seinen Nebenflüssen viele aus dem Hochmoor und den Nebelwäldern stammenden Sedimente zugeführt. Der Jatunyacu und der Fluss Anzu sind ihrerseits Zubringer des majestätischen Flusses Napo, der den nördlichen Teil des ecuadorianischen Amazonasgebietes durchfließt, informiert uns Andrés Samper, Ausbilder und Führer von Torrent Duck, dem Reiseveranstalter, der diese Rafting-Tour in der Provinz Napo anbietet.


Bevor wir die Anlegestelle erreichen, macht Álex Grefa, ein mit Samper zusammenarbeitender Führer, eine Gruppe kleiner schwarzer Affen in den Bäumen aus und ruft: „Seht! Da oben rechts springt eine Schar Affen in den Bäumen herum!” Wir sehen sie auch sofort, genau in dem Moment, in dem sie zwischen den Zweigen springen. Wir finden, dass dies genau der richtige Anfang für unser Abenteuer ist. Mit gesteigerter Erwartung erreichen wir das Flussufer, wo wir die Ausrüstung vorbereiten und Anweisungen erhalten.


Zuerst werden wir von Samper über Sicherheitsvorkehrungen instruiert. Er zeigt uns, wie wir die Helme, Schwimmwesten und die Neoprenanzüge, die uns gegen das kalte Wasser und den Wind schützen, anlegen sollen. Gleich danach weist er auf die möglichen Szenarien während unserer Fahrt über den Jatunyacu hin, darunter verschieden drohende Stürze und andere mit diesem Abenteuersport verbundene Risiken. „Die meisten Unfälle passieren nicht beim Fallen aus dem Boot, sondern im Boot selbst”, betont er.


„Ganz besonders wichtig ist es das T des Ruders fest in der Hand zu halten, das heißt, den oberen Teil des Ruders, denn es könnte jemanden verletzen”, sagt Samper. Er erklärt uns auch, was man machen muss, wenn jemand aus dem Boot fällt. Derjenige soll sich an dem Seil festhalten, das außen um das Boot herumläuft, und warten, dass ihn die anderen wieder an den am oberen Teil der Schwimmweste angebrachten Riemen ins Boot ziehen. Wenn man im Wasser ist, muss man eine spezielle Position einnehmen, sich gerade hinlegen, mit den Füßen in Strömungsrichtung, damit man Hindernisse wie Steine oder Baumstämmen rechtzeitig bemerkt.


Weiterhin darf man wegen der von Steinen und/oder Baumstämmen gebildeten Hindernisse auf dem Fluss nie auf zustehen. Alex, der andere Führer, versichert uns Samper, wird das Boot in einem Kajak seitlich begleiten, falls jemand ins Wasser fallen sollte. „Um nicht so viel Gewicht zu erzeugen, müsst ihr euch am hinteren Teil des Kajaks festhalten und mit den Beinen paddeln, solange, bis euch was anderes gesagt wird”, betont er. Nach dieser Einführung weisen uns die Führer an, zu einem kleinen Strand am Ufer des Flusses Jatunyacu hinunterzugehen. Hier üben wir den Umgang mit den Rudern und die koordinierte Bewegung nach den Anweisungen des sich im Boot sitzenden Führers. Nach einigen Übungsrunden beginnt die Fahrt flussabwärts. Bei der Fahrt durch die ersten Stromschnellen steigen Erwartung und Adrenalin.


SUCHEN SIE FÜHRER, DIE ÜBER EINE ZERTIFIZIERUNG DER INTERNATIONAL RAFTING FEDERATION (IRF) UND DER AMERICAN CANOE ASSOCIATION (ACA) VERFÜGEN

Durchqueren von Wellen und felsigen Stellen stoßen einige aus der Gruppe kleine Schreie aus. Nach dieser ersten Stromschnelle können wir die fesselnde Landschaft bestaunen, die uns während der ganzen Strecke umgibt: steile, bewaldete Berge und das von hohen Bäumen bestandene Flussufer; ein Nieselregen kühlt die Umgebung ab.


Das Rudern auf der Strecke erfordert einiges an Kraft, denn oft muss man gegen die Strömung anrudern, um Stellen auszuweichen, an denen das Wasser besonders turbulent ist und das Boot umschlagen könnte. Plötzlich gelangen wir zu einer anderen Stromschnelle mit – für einen Fluss – ziemlich hohen Wellen und man hört aufgeregte Schreie, als sich das Boot hebt und abrupt wieder senkt.

Bei einer Ruhepause am Flussufer meint der Politologiestudent Tony Eid, die Erfahrung sei sehr lehrreich, da „man einen Einblick in das Leben der Leute gewinnt, die sich täglich dieser Aktivität auf den Flüssen widmen. Ich habe das Gefühl, Geist und Gedanken werden geklärt. Man fühlt eine innere Ruhe und eine enge Verbindung zur Natur. Ich kann allen empfehlen, seien es Neulinge oder Abenteurer, an diesem Abenteuersport wenigstens einmal im Leben teilgenommen zu haben. Es ist ein wirklich erfüllendes Erlebnis”, sagt Eid abschließend. Dazu äußert María Esther Vera, sie halte es „für eine gute Erfahrung, sowohl für Abenteurer als auch für nicht so abenteuerlich veranlagte Personen, die im eigenen Land etwas Neues erleben wollen.


Für diese Erfahrung, die ich für sehr bereichernd halte, braucht man nicht in Ausland zu fahren”, sagte Vera. Sie fügt hinzu, dass sie am Anfang den Eindruck gehabt habe, die Fahrt würde sehr ruhig und einfach werden. Danach habe sie jedoch gemerkt, dass viel Kraft und Teamarbeit notwendig sei. „Es ist sehr aufregend.


Meine anfänglichen Erwartungen wurden weit übertroffen, und ich kann diese Aktivität allen nur empfehlen”, meint Vera.


Drei Stunden nach Fahrtbeginn halten wir an einer Hütte am rechten Flussufer, um dort zu Mittag zu essen. Während die Führer von Torrent Duck für die hungrigen Abenteuer köstliche Sandwichs mit Käse, Schinken und Salat zubereiten, baden wir im Fluss.Einige Minuten lang lassen wir uns vom Wasser tragen und spüren seine Kraft, seine Energie und seine Kälte. Wir haben das Gefühl, dass wir uns im Fluss einem Reinigungsritual unterziehen und eine Verbindung mit dem magischen Amazonasurwald herstellen.

 

Nach zwanzig Minuten werden wir zum Essen gerufen, das mit einem aus Ananasscheiben und Keksen bestehenden Nachtisch abgeschlossen wird. Nach dem Essen betrachten wir die umgebende Landschaft mit den hohen Bäumen, kleinen Hügeln in Flussnähe und großen Bergen im Entstehungsgebiet des Flusses Jatunyacu. Wir hören die vielfältigen Geräusche des Amazonasurwaldes, quakende Amphibien, nah vorbeifliegende Insekten, zwitschernde Vögel und das eindrucksvolle Rauschen des vorbeiströmenden Flusses Jatunyacu.


Danach setzen wir die Fahrt fort nach Puerto Napo, dem Endziel der Strecke. Bevor wir dort ankommen, hebt sich über dem Fluss eine dünne Nebelschicht, die den Urwald, den Fluss und den Himmel geheimnisvoll miteinander verschmelzen lassen. Nach der Vereinigung der Flüsse Jatunyacu und Anzu, die zusammen den riesigen Fluss Napo bilden, gelangen wir zum Haupthafen der ecuadorianischen Amazonasregion: Puerto Napo.

 

Zerschlagen und müde enden wir die Rafting-Tour, die unsere anfänglichen Erwartungen weit überschritten hat. Für diesen Abenteuersport kommen viele nach Napo, vor allem aus Pichincha und aus dem Ausland. Napo gilt als der ideale Ort für Rafting und ist es wert, national und international Beachtung zu erhalten. Dies ist der Ausklang eines intensiven und aufregenden Tages. Er hat in uns das Verlangen geweckt, diese Erfahrung zu wiederholen, eine Erfahrung, die wir auch all denen empfehlen, die aufregende Erlebnisse in der Abenteuer-Destination Ecuador suchen.

Ecuador hat ein vielseitiges Angebot von für Rafting geeigneten Flüssen. Im Amazonasgebiet, in der unteren Region der Provinz Napo, befinden sich die Flüsse Anzu, Misahuallí, Jondachi, Hollín und Pusuno. In der oberen Region Napos liegen die Flüsse Quijos, Papallacta und Oyacachi. In der Gegend von Baños de Agua Santa findet man die Flüsse Topo, Río Verde und Pastaza. Weiter im Süden in Macas, in der Provinz Morona Santiago, fließt der Fluss Upano. An der Westseite der Andenkordillere kann man in der Provinz Pichincha, auf dem Mindo raften und in Santo Domingo de los Tsáchilas auf den Flüssen Río Blanco, Toachi und Mulaute, erklärt Andrés Samper, einer der Eigentümer des Reiseveranstaltungsunternehmens Torrent Duck.

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