NACHHALTIGER TOURISMUS: ERHALTUNG UND HARMONISCHE ENTWICKLUNG

 

Die wichtigsten Merkmale des nachhaltigen Tourismus lassen sich unter dem Begriff Gleichgewicht zusammenfassen. Wegen des starken Drucks, den menschliche Aktivitäten – wie auch der Tourismus – auf Ökosysteme und lokale Gemeinschaften ausüben, gewinnt diese Form des Reisens weltweit immer mehr Bedeutung.  Ecuador, ein Land mit einer Vielzahl natürlicher und kultureller Reichtümer, bietet verschiedene Möglichkeiten für einen nachhaltigen Tourismus.

 

Im September 2015 fand in Bogotá, Kolumbien, die Zeremonie zur Verleihung der World Travel Awards 2015 (WTA)statt. In diesem Rahmen wurde Quito als beste Destination in Südamerika ausgezeichnet und das Finch Bay Eco Hotel in Galapagos zum besten grünen Hotel Südamerikas ernannt. Unter den Hotels wurde die im Nebelwald der nordwestlichen Provinz Pichincha gelegene Mashpi Lodge als bestes grünes Hotel Ecuadors herausgestellt, wird auf der Website der WTA 2015 informiert.

 

Nachhaltigkeit

 

Der Welttourismusorganisation (UNWTO) zufolge beziehen sich die Nachhaltigkeitsprinzipien auf umweltbezogene, wirtschaftliche und soziokulturelle Aspekte der Tourismusentwicklung. „Zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit muss zwischen allen drei Aspekten ein angemessenes Gleichgewicht bestehen”, wird auf der Website der UNWTO erläutert.

 

Bezüglich des ersten Aspektes wird hervorgehoben, der nachhaltige Tourismus solle „die Umweltressourcen als wesentliches Element der Tourismusentwicklung unter Erhaltung der grundlegenden ökologischen Prozesse, der natürlichen Ressourcen und der biologischen Vielfalt optimal nutzen”.

 

Der zweite Punkt weist auf die Notwendigkeit hin, „die kulturelle Authentizität der lokalen Gemeinschaften und ihre kulturellen, traditionellen und architektonischen Werte zu respektieren und einen Beitrag zu interkulturellem Verstehen und Toleranz zu leisten”.

 

Der dritte auf der Website der UNWTO angesprochene Aspekt ist die „Sicherung langfristig gangbarer wirtschaftlicher Aktivitäten, die allen Beteiligten gleichmäßig sozioökonomischen Nutzen bringen und mit stabilen Arbeitsplätzen, Einkommen und Sozialleistungen für die lokalen Gemeinschaften, zur Minderung der Armut beitragen”.

 

Hervorgehoben wird von der UNWTO auch, dass der nachhaltige Tourismus „für die Touristen hoch zufriedenstellend und bereichernd sein soll, womit in ihnen ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschaffen und nachhaltiger Tourismus gefördert wird”.

 

Ein weiteres Konzept wird auf der Website Eco inteligencia angeboten. Hier wird unterstrichen, dass es wichtig sei „gegenwärtige Bedürfnisse zu befriedigen, ohne die der zukünftigen Generationen zu beschneiden. Es soll ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Wachstum, Umweltschutz und sozialem Wohlergehen hergestellt werden, was als dreifaches Endresultat der Nachhaltigkeit bekannt ist”.

 

Eine andere Quelle, der Global Sustainable Tourism Council (GSTC), nennt für das Konzept des nachhaltigen Tourismus vier Makrokriterien: wirkungsvolles Nachhaltigkeitsmanagement, sozialer und wirtschaftlicher Nutzen für die lokale Bevölkerung, Erhaltung des kulturellen Erbes und der Schutz der Umwelt mit Ressourcennutzung, Reduzierung der Umweltverschmutzung und der Erhaltung der Biodiversität und der Landschaften, kann man auf der Website der GSTlesen.

 

Nachhaltiger Tourismus in Ecuador

 

Mashpi Lodge – Pichincha

 

Nordwestlich des Hauptstadtdistrikts Quito liegt mitten im Nebelwald des Chocó-Darién die Mashpi Lodge. Dieses Gebiet ist wegen seiner hohen Anzahl endemischer Pflanzen- und Tierarten als Biodiversitäts-Hotspot anerkannt. Hier leben Brillenbären, Ozelote, Bergtapire und Pumas und unter den 450 Vogelarten dieses Gebiets befinden sich Kolibris, Tukane und Eulen. In der Pflanzenwelt fallen vor allem die vielen Epiphyten auf, zu denen Bromelien und zahlreiche Orchideen gehören.

 

In der Mashpi Lodge sind Komfort und Umwelterhaltung eng miteinander verbunden. „Mashpi ist mehr als eine 5-Sterne-Lodge mitten im Wald; die Lodge entstand in der Absicht, eine einzigartige Reiseerfahrung in dieser Kategorie zu bieten. Die materiellen Elemente dienen als perfekte Ergänzung zu einem einzigartigen und intimen Kontakt mit der Tier- und Pflanzenwelt, der Geologie, Geografie, Ökologie, dem Klima, den Landschaften und den historischen Besonderheiten dieses so außerordentlich artenreichen Winkels der Erde, der heute ein Naturschutzgebiet ist”, wird auf der Website der Lodge dargelegt.

 

Um negative Wirkungen möglichst zu vermeiden, wurde die Lodge aus Stahlteilen erstellt, die in Quito vorfabriziert und anschließend zur Lodge transportiert wurden. Zur Einsparung von Energie werden in der Lodge LED-Lampen verwendet. Gelbes Licht verhindert, dass abends Insekten angelockt werden. Die Abwässer der Lodge werden biologisch behandelt, wobei organische Abfälle kompostiert und Feststoffabfälle recycelt werden, wird auf der Website der Mashpi-Lodge ausgeführt.

 

Die Lodge arbeitet mit der lokalen Gemeinde von Mashpi zusammen, von der sie mit organischen Produkten versorgt wird. Dadurch wird die CO₂-Bilanzgering gehalten und der Gemeinschaft eine Einkommensmöglichkeit gegeben. Ziel ist es, 80 % des in der Lodge beschäftigten Personals aus der lokalen Gemeinschaft zu rekrutieren. Die Guides von Mashpi gehören zu den besten Naturführern Ecuadors, mehrere stammen aus der Gegend und leben auch hier. Ihre Verbundenheit mit dem Wald kommt in der Leidenschaft und Begeisterung zum Ausdruck, mit der sie ihre Kenntnisse des Waldes und seiner weltweit bedeutenden Biodiversität weitergeben, wird auf der Website der Lodge ausgeführt.

 

Das Projekt Mashpi war eines der ersten des Landes, die an dem Regierungsprogramm „Cree Ecuador” des Ministeriums für Produktion teilgenommen haben. Dies bedeutet, dass sich das Ministerium mit 1,5 Millionen an den Projektkosten beteiligt ist.  Als Gegenleistung verpflichtet sich das Unternehmen zur Zusammenarbeit mit dem Ministerium in der Gründung und Förderung einer lokalen Gemeinschaftsorganisation und dazu, mindestens 10 % dieser Summe in Geschäftsanteilen seinen Angestellten zugängig zu machen.

 

In Mashpi kann man Wanderungen im Primärwald machen und die reichhaltige Pflanzen- und Tierwelt der Gegend beobachten. Eine andere Möglichkeit den Wald kennenzulernen ist es, ihn in Höhe der Baumwipfel mit dem Fahrrad zu durchqueren. Es werden Programme von 4 Tagen mit 3 Nächten und 3 Tagen mit 2 Nächten angeboten. 

 

Finch Bay Eco Hotel auf Galapagos

 

Das Öko-Hotel liegt an der „Playa de los Alemanes” in Puerto Ayora, auf der Insel Santa Cruz. Eine Reihe umweltfreundlicher Maßnahmen machen es zum nachhaltigsten Hotel der Galapagos-Inseln. Als einziges Hotel des Archipels verfügt es über eine eigene Abwasseraufbereitungsanlage. Der Strom für Wassererwärmung, Bewegungssensoren und den Betrieb ökoeffizienter elektrischer Geräte, wird durch Solarkollektoren erzeugt, kann man der Website des Hotels entnehmen.

 

Das Innere der Zimmer wird durch wärmedämmende Isolierungen angenehm frisch erhalten. Alle Seifen, Waschmittel und Shampoos bestehen aus biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen. Im Hotel wird auch Abfalltrennung betrieben und Plastik, Glas, Papier und Karton werden recycelt. Organische Abfälle werden kompostiert.

 

Die Kompostierung kommt dem Gemüse- und Kräutergarten des Hotels zugute, der es wiederum ermöglicht die Lebensmittellieferungen in das Hotel zu reduzieren, was sich letztlich positiv auf den Kohlenstoff-Fußabdruck auswirkt. Das Finch Bay Hotel verkauft kein Essen zum Mitnehmen und es wird kein Einweg-Geschirr und -Besteck verwendet. Alle Nahrungsmittel und anderen Produkte stammen von lokalen Lieferanten.

 

Regenwasser wird gesammelt und zum weiteren Gebrauch gereinigt. Wasserleitungen werden ständig kontrolliert, um undichten Stellen und damit Wasserverlust vorzubeugen. Außerdem wurden in der Umgebung des Hotels über 500 Mangrovenbäume gepflanzt.

 

Napo Wildlife Center – Nationalpark Yasuní

 

Das Napo Wildlife Center (NWC) ist die luxuriöseste Öko-Lodge des ecuadorianischen Amazonasgebietes. Sie befindet sich an dem See Añangucocha, in dem 21 000 Hektar tropischen Regenwaldes umfassenden Reservat des Kichwa-Volkes Añangu und inmitten des Nationalparks Yasuní.

 

Von der in der Provinz Orellana gelegenen Stadt Coca fährt man mit einem motorbetriebenen Boot zwei Stunden über den Fluss Napo bis zur Mündung des Schwarzwasserflusses, an dem die Añangu-Gemeinschaft lebt. Hier steigen die Fahrgäste in ein Kanu um, und die weitere Strecke wird mit Hilfe von Paddeln zurückgelegt. Während des Aufenthalts in der Lodge gibt es die Möglichkeit zu verschiedenen Aktivitäten.

 

Das Napo Wildlife Center ist ein gutes Beispiel für ein nachhaltiges Tourismusprojekt. Der Besitz und die Verwaltung des Hotels befinden sich in Händen der indigenen Kichwa-Gemeinschaft von Añangu, wodurch die soziale Nachhaltigkeit gegeben ist.Die aus dem Betrieb des Luxus-Hotels erzielten Gewinne kommen der Gemeinschaft zugute.

 

Um die Sauberkeit der Gewässer zu erhalten, hat die Gemeinschaft in ein Abwasserbehandlungssystem investiert, das vermutlich das beste und fortschrittlichste des ganzen Amazonasgebiets Ecuadors ist. Alle Abwässer werden biologisch gereinigt. Strom wir mit Solarkollektoren erzeugt, unterstützt durch industrielle Batterien und geräuscharme Generatoren, die zusammen ein effizientes System mit minimaler Umweltbelastung darstellen, wird auf der Website der Lodge berichtet.

 

Unter den von der Lodge angebotenen Aktivitäten ist die Beobachtung der Kronenschicht des Waldes von der Plattform de Aussichtsturms eine der beliebtesten. Der Beobachtungsturm ist 40 Meter hoch und an einen Baum gebaut. Im Morgengrauen kann man von hier aus verschiedene Tierarten beobachten, vor allem Brüllaffen, Kapuzineraffen, Faultiere, Harpyien, Tukane, Tangaras und Hoatzine. 

Share this post

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to StumbleuponSubmit to TechnoratiSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn