Ecuador ist ein Land mit einem reichen historischen, kulturellen und natürlichen Erbe. In seinem nur kleinem Territorium bietet es außergewöhnlich viel: Natur, Abenteuer und eine schöne Architektur, die vor allem in Bezug auf Kirchen und andere Gebäude des katholischen Glaubens besonders reichhaltig ist.  Dadurch erhält Ecuador im Bereich des religiösen Tourismus eine außerordentliche Bedeutung.

 

Das historische und kulturelle Erbe des Katholizismus auf dem Festland Ecuadors ist außergewöhnlich reichhaltig. Die Kirchen, Kapellen, Klöster, Museen und anderen Orte, in denen der katholische Glaube des Landes seinen Ausdruck findet, stellen ein wichtiges Kulturerbe dar.

 

Auf der Website www.significados.comwird der Begriff Kulturerbe als „Gesamtheit der überlieferten Kulturgüter einer Gemeinschaft oder eines Volkes” definiert. „Zu ihnen gehören Traditionen, Glauben, Werte, Bräuche sowie künstlerische und folkloristische Ausdrucksformen, in denen sich die Geschichte, die Identität und die Einzigartigkeit einer Gemeinschaft oder eines Volkes ausdrücken.”

 

Das Land der Mitte der Welt weist eine Vielfalt von Kirchen, Museen und religiösen Komplexen auf, die dem Publikum offen stehen und besucht werden können. Viele dieser Bauwerke sind vor mehreren Jahrhunderten errichtet worden und gehören zum Kulturerbe Ecuadors.

 

Die meisten der Kirchen und religiösen Komplexe befinden sich im andinen Hochland und Quito steht dabei mit seiner Vielzahl von Kirchen, Museen und katholischen Klöstern an der Spitze. Dies ist auf die Bedeutung zurückzuführen, die die ecuadorianische Hauptstadt seit der Kolonialzeit als verwalterisches und religiöses Zentrum innehat.

 

Die katholische Religion in Ecuador

 

Auf der Website Population Pyramid, wird die Bevölkerungszahl Ecuadors im Jahr 2015 mit 16,2 Millionen angegeben. Von diesen bezeichnen sich 13,1 Millionen selbst als praktizierende Katholiken, informiert die Website des Senders Ecuavisa,der auch mitteilt, dass Ecuador in Bezug auf die Anzahl katholischer Kirchen unter den lateinamerikanischen Ländern den siebten Platz einnimmt.   In allen vier geografischen Regionen gibt es insgesamt 25 Kirchenkreise und 1 301 katholische Pfarrgemeinden, wird außerdem mitgeteilt.

 

Ein erstmalig Daten zu Glaubensbekenntnissen beinhaltendes Dokument des Nationalen Instituts für Statistik und Volkszählungen (INEC) informiert, dass „8 von 10 sich zu einer Religion bekennenden Ecuadorianern angeben, katholisch zu sein.”  „In Bezug auf Religionszugehörigkeit zeigen die Daten, dass 91,95 % der Bevölkerung angeben einer Religionsgemeinschaft anzugehören und dass von diesen 80,4 Prozent katholisch sind.

 

Schließlich ist dem Bericht zu entnehmen, dass „drei von zehn Gläubigen erklären, wenigstens einmal wöchentlich an einer Religionsausübung teilzunehmen (Gottesdienste, Messen, Versammlungen usw.), zwei von zehn einmal monatlich und 15,9 % nur zu besonderen Gelegenheiten.”

 

Diese Zahlen zeigen die Bedeutung des Katholizismus in Ecuador. Der religiöse Eifer ist das ganze Jahr über sichtbar, wie zum Beispiel bei massiven Prozessionen oder in den großen, mittleren und kleinen Kirchen, die in allen 24 Provinzen Ecuadors zu finden sind.  

 

Die wichtigsten Kirchen und Wallfahrten Ecuadors

 

Kirche und Wallfahrt von El Quinche, Pichincha

 

Diese Kirche hat für das ganze Land eine besondere Bedeutung, da hier jedes Jahr am 21. November eine Wallfahrt zur Anbetung der Jungfrau von El Quinche stattfindet. Diese Tradition begann am 10. März 1604, als das Marienbildnis von dem Dorf Oyacachi nach El Quinche gebracht wurde.

 

Die hölzerne Skulptur wurde im 16. Jahrhundert vom Bildhauer Diego de Robles angefertigt, einem Künstler, der auch andere sehr beliebte und verehrte Marienbildnisse geschaffen hat. Der Jungfrau von El Quinche werden verschiedene Wundertaten zugeschrieben, darunter Heilungen des Körpers und auch des Geistes. Deswegen ist dieser Ort zu einem der bekanntesten Heiligtümer des ganzen Landes geworden und er wird häufig von Gläubigen und Pilgern aufgesucht.

 

Die Wallfahrt dauert etwa 6 bis 8 Stunden. Die Strecke ist 30 km lang und beginnt im Tal von Cumbayá und Tumbaco. Der Ort El Quinche befindet sich östlich des Hauptstadtdistrikts Quito und ist von diesem etwa eine Fahrtstunde entfernt.

 

Im Juli dieses Jahres wurde dieses Heiligtum vom Papst Franziskus im Rahmen seines Besuchs in Ecuador aufgesucht. Er konnte das Bildnis der wundertätigen Jungfrau aus der Nähe sehen und zu der hier veranstalteten Messe kamen Tausende von Gläubigen.

 

Kirche La Balbanera – Colta, Chimborazo

 

Der vollständige Name dieses Gotteshauses bedeutet „Kirche von der Geburt der Jungfrau María von La Balbanera”. Es befindet sich am Rande der Überlandstraße Panamericana Sur, 20 km südlich von Riobamba und in 2 km Entfernung vom Kanton Colta in Chimborazo.

 

Diese katholische Kirche ist die erste, die auf ecuadorianischem Boden erbaut wurde und sie ist 481 Jahre alt. Sie stammt aus der frühen Kolonialzeit und wurde am 15. August 1534 eingeweiht. Fast 90 % ihrer originalen Struktur sind erhalten. Aus Sicherheitsgründen kann man die Kirche nicht betreten und ihr Inneres nur durch Spalten von außen sehen. Von hier hat man auch eine eindrucksvolle Aussicht auf den Vulkan Chimborazo.

 

Basilika der Reina del Rosario de Agua Santa – Baños, Tungurahua

 

Die Basilika der „Jungfrau vom Rosenkranz von Agua Santa” befindet sich an dem Hauptplatz der Stadt Baños. Mit ihrem Bau wurde am 11. Februar 1904 durch den Gemeindepfarrer von Baños, Fray Thomas Halflants, begonnen und sie wurde 1944 unter Fray Sebastián Acosta fertiggestellt.

 

Die Kirche ist groß und ist in drei Schiffe unterteilt. Sie ist im halbgotischen Stil erbaut und hat eine rechteckige Form mit großen Säulen und Spitzbögen.  Alle Verzierungen und die ihre Wände ausschmückenden Bilder wurden von dem aus der Provinz Imbabura stammenden Künstler Fray Enrique Mideros angefertigt.

 

Die Gläubigen versichern, dass die Jungfrau vom Rosenkranz von Baños Wunder bewirkt habe. Für diese zeugen Hunderte von Tafeln und Bildern, die in der Kirche ausgestellt sind. Eines der bekanntesten Wunder besteht in dem fortwährenden Schutz der kleinen Stadt vor den Ausbrüchen des nahe gelegenen Vulkans Tungurahua.

 

Nationales Heiligtum Santa Narcisa de Jesús – Nobol, Guayas

 

Diese Kirche befindet sich im Kanton Nobol, 40 Minuten entfernt von Guayaquil. Hier wird von Gläubigen aus ganz Ecuador und aus anderen Ländern Narcisa de Jesús Martillo Morán verehrt. Ihre Seligsprechung im Jahr 1992 gab Anlass zum Bau der Kirche in ihrem Geburtsort Nobol.

 

Sie wurde am 12. Oktober 2008 auf dem Petersplatz in Rom, Italien, durch Papst Benedikt XVI heiliggesprochen. Die Heilige Narcisa de Jesús wird von vielen Gläubigen verehrt, die ihr wundersame Heilungen zuschreiben.

 

Prozession des Cristo del Consuelo – Guayaquil, Guayas

 

Die Prozession des „Christus des Trostes” gilt als eine der wichtigsten des Landes und an ihr nehmen zahlreiche Gläubige teil. Sie symbolisiert das Leiden, den Tod und die Wiederauferstehung Jesus und sie findet seit über einem halben Jahrhundert, seit 54 Jahren, am Karfreitag statt, wird auf der Website Guayaquil es mi destino, der Gemeindeverwaltung von Guayaquil mitgeteilt.

 

Diese Prozession hat national und international immer mehr Bedeutung gewonnen. Sie hat ihren Ursprung im Jahr 1960, als das Bildnis des Cristo del Consuelo an diese Stelle kam, an der es damals nur Wasser und Mangrovenwälder gab.

 

Es ist 1,80 m hoch und eine Nachbildung desjenigen, das sich in der Kirche „Inmaculado Corazón de María” in Madrid befindet. Seine Schaffung ist dem Priester Ángel María Canals zu verdanken, der sie bei dem aus Cuenca stammenden Bildhauer Julio Quispe in Auftrag gegeben hatte, der wiederum seinen Gehilfen Julio Jimbo mit der Anfertigung betraute.

 

Die Prozession beginnt morgens um 7 Uhr an der Kirche Cristo del Consuelo (an der Kreuzung der Straßen Lizardo García und Calle A). Sie führt über 17 Häuserblöcke durch die Straßen Azuay und Leonidas Plaza bis zur Kirche Espíritu Santo (Kreuzung der Straßen Azuay und Gallegos Lara) informiert die Website.

 

An der Prozession nimmt etwa eine halbe Million von Gläubigen teil, viele von ihnen führen verschiedene Bußhandlungen durch. Die Menschansammlung ist so groß, dass für die Strecke, die normalerweise in 10 bis 20 Minuten zurückgelegt werden kann, fast sechs Stunden benötigt werden.

 

Prozession des Jesús del Gran Poder – Quito, Pichincha

 

Die Prozession des Jesús del Gran Poder wurde erstmals vor 53 Jahren abgehalten. Sie wurde vom Priester Francisco Fernández mit der Gesellschaft „Sociedad de Jesús del Gran Poder” ins Leben gerufen.Als dieser Priester von Guayaquil nach Quito kam, befand sich das Bildnis in der Sakristei, im oberen Teil des Hauptaltars der Kirche San Francisco, wird auf der Website der Zeitung El Comercio berichtet.

 

Jetzt ist es am Hauptaltar der Kirche San Francisco für alle sichtbar.

 

Zu jener Zeit war das aus Balsaholz gefertigte Bildnis als „Nazarener” bekannt. Mit Beginn der Prozessionen erhielt es seinen gegenwärtigen Namen. Zusammen mit der Prozession des Cristo del Consuelo in Guayaquil ist diese eine der wichtigsten des Landes.

 

In der Karwoche verlässt das Christusbildnis den Hauptaltar der Kirche San Francisco und wird durch die Straßen Quitos getragen. Die Veronikas, schwarz und lila gekleidete Büßerinnen, sind ein wichtiger Bestandteil der Prozession, die in der Kirche mit dem zu ihr gehörenden Kloster ihren Anfang nimmt. Wesentlicher Teil der Prozession sind auch die „cucuruchos”, lila gekleidete und mit spitzen Kapuzen verhüllte Büßer, wird durch das Museum Fray Pedro Gocial des Klosters San Francisco erläutert.

 

Prozession der Jungfrau von El Cisne – Catamayo, Loja

 

Der Wallfahrtsort El Cisne liegt 72 km von der Stadt Loja entfernt, der Hauptstadt der Provinz gleichen Namens.  Diese Wegstrecke wird jedes Jahr mit dem vor vier Jahrhunderten von Diego de Robles geschaffenen Bildnis zurückgelegt. Die Wallfahrt beginnt am 15. August in El Cisne und die Prozession erreicht am 17. August den Ort San Pedro de la Bendita, informiert der ecuadorianische Hotelverband.

 

Tausende von Gläubigen aus ganz Ecuador und auch aus Nordperu kommen zu dieser großen Wallfahrt um Gelübde einzuhalten, Heilungen und Wunder zu erbitten und um das Bildnis zu begleiten und Sünden zu sühnen. An jedem Halt auf der Wallfahrtsstrecke gibt es Stände, an denen traditionelle Gerichte Lojas angeboten werden: Tamales, Chanfaina, Repe, Bizcochuelos de Achira, wird auf der Website dargestellt.

 

Am 18. August erreicht der Wallfahrtszug das warme Tal von Catamayo.  Am 20. August hält das Bildnis der Jungfrau von El Cisne Einzug in die Hauptstadt der Provinz Loja. Hier verweilt es jedes Jahr bis zum 8. September. Die Jungfrau von El Cisne wurde zur Schutzherrin des Tourismus in Ecuador ernannt. Ihr jährlicher Festtag ist der 27. September.

 

DIE MAJESTÄTISCHE KUNST QUITOS

 

Das historische Zentrum Quitos ist das bedeutendste Zeugnis der Kunst Quitos und hat eine Flächenausdehnung von 375,2 Hektar. Es gibt hier 130 monumentale Gebäude, darunter über 60 Kirchen, Klöster, Kapellen und Kapitelhäuser. Dieser Bezirk ist auch als das „Kloster Amerikas” bekannt.

 

Die bedeutendsten Kirchen Quitos sind San Francisco, die Kathedrale, Santo Domingo, San Agustín, La Compañía de Jesús und Guápulo. Alle diese Kirchen können besichtigt werden. Es gibt festgelegte Besuchszeiten für alle Kirchen, Klöster, Kapitelsäle und Museen für religiöse Kunst.  

 

Die wichtigsten Vertreter der Kunst Quitos (religiöse Skulpturen oder Bilder) waren Diego de Robles, Francisco del Castillo, Pater Carlos, Bernardo de Legarda (Schöpfer des bekannten Marienbildnisses mit seiner großformatigen Nachbildung, der Jungfrau vom Panecillo), Pampite, Francisco Tipán, Manuel Chili (Caspicara), Menacho und Zangurima.

 

 

KIRCHE LA COMPAÑÍA DE JESÚS

 

Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) stuft diese Kirche als eines der besten religiösen Bauwerke der drei Amerikas ein. Wie auf der Website der StiftungIglesia de la Compañía de Jesús, (FICJ) dargestellt wird, „wurde die Compañía de Jesús zwischen 1605 und 1765 erbaut. Als Modelle dienten zwei wichtige Jesuitenkirchen in Rom, Il Gesú und San Ignacio.”

 

Die Kirche gehört dem Jesuitenorden. „Die Anlage des Grundrisses folgt dem lateinischen Kreuz und es gibt ein Hauptschiff, ein südliches und ein nördliches Seitenschiff, ein Querschiff und ein südliches und ein nördliches Querschiff, Presbyterium, Sakristei und eine Kapelle”, informiert die Website der Stiftung.

 

„Das Hauptschiff wird von einem 26 Meter hohen Gewölbe überdacht, das aus Ziegeln und Bimsstein besteht und mit farbig bemalten und mit Blattgold verkleideten Gipsverzierungen im Mudejarstil dekoriert ist”, wird erläutert. Das Innere der Kirche ist vollständig mit 23 Karat Blattgold verkleidet.

 

„Die Fassade ist ein außerordentliches Werk im Barockstil und besteht aus grauem Vulkangestein. Sie ist an jeder Stelle detailliert dekoriert und überall gibt es Blumen, Engel, Erzengel, kirchliche Symbole und Darstellungen verschiedener Repräsentanten der katholischen Kirche und der Gründer des Jesuitenordens”, wird auf der Website erläutert.

 

Das koloniale Zentrum Quitos mit seinem künstlerischen und architektonischem Reichtum bietet allen Touristen ein einzigartiges Erlebnis. In Quito kommt man nicht umhin, die Geschichte zu bewundern, wenn man für kurze Zeit in eine komplexe und prachtvolle Vergangenheit zurückversetzt wird.

 

Kirche und Kloster San Francisco

 

Das Kloster San Francisco ist das größte in ganz Lateinamerika. Der gleichnamige Platz ist ganz mit Vulkangestein gepflastert und hier befindet sich die eindrucksvolle Kirche mit ihren zwei Türmen und dem riesigen Kloster, das in seinem Innern das Museum für religiöse Kunst „Fray Pedro Gocial” beherbergt.

 

Im Museum wird eine der vollständigsten und schönsten Sammlungen der Kunst Quitos aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert ausgestellt.  Zu diesem künstlerischen Erbe zählen prachtvolle Malereien und Skulpturen, in denen sich der zur Kolonialzeit sehr starke Einfluss Spaniens und der Religion ausdrückt, wird auf der Website des Systems für Museen und Kulturzentren der Stadt Quito informiert.

 

Mit dem Bau dieses architektonischen Komplexes wurde 1550 begonnen. Wie auch die Kirche La Compañía enthält San Francisco mit Blattgold überzogene Altare und Altartafeln. An der Kirche sind umfangreiche Umbau- und Rekonstruktionsarbeiten vorgenommen worden. Die Kirche und das Kloster sind die ganze Woche über für Besucher zugänglich.

Share this post

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to StumbleuponSubmit to TechnoratiSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn